Schlauchmagen

 

Was ist ein Schlauchmagen?

Das Prinzip der Bildung eines Schlauchmagens ist die Verkleinerung des Magenvolumens. Bei der minimalinvasiven Operation werden 90% des großen gewölbten Magenteils Fundus und Korpus, entfernt, so dass ein schlauchförmiger Restmagen übrig bleibt. Es ist ein restriktives Verfahren, die Verdauungsleistung bleibt erhalten. Das Magenvolumen wird auf 85 – 100 ml reduziert. Somit können nur sehr geringe Nahrungsmengen aufgenommen werden und eine Sättigung tritt rasch ein. Die Dauer des Klinikaufenthaltes beträgt 5 bis 7 Tage.

Welche Vorteile hat der Schlauchmagen?

Die Schlauchmagenbildung führt zur Aufnahme geringerer Nahrungsmengen und dadurch zu einem raschen Gewichtsverlust. Das Hungergefühl ist vermindert. Der Magen bleibt in seiner Funktion erhalten. Mittels einer Magenspiegelung kann man den Magen weiterhin einsehen. Im Gegensatz zum Magenbypass sind in der Regel Vitamin-B12-Substitutionen nicht erforderlich. Es wird kein Fremdkörper eingebracht.

Nebenerkrankungen des metabolischen Syndroms: Diabetes Mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, verbessern sich meist rasch. Das Tragen einer Sauerstoffmaske (CPAP-Maske) ist oftmals nicht mehr erforderlich.

Es liegen inzwischen gute Daten zum Gewichtsverlust vor. Realistisch gesehen, ist eine Reduktion von 60-70% des Übergewichts innerhalb der ersten 2 Jahre möglich. Aktuelle Untersuchungen belegen, dass Bypass und Schlauchmagen vergleichbare Resultate hinsichtlich der Verbesserung der Begleiterkrankungen und Gewichtsabnahme erzielen.

Welche Nachteile hat der Schlauchmagen bzw. welche Komplikationen können auftreten?

Es ist ein unumkehrbares Verfahren. Ein Teil des Magens wird dauerhaft entfernt. Mangelernährungszustände sind vorübergehend möglich. Diese können durch die regelmäßige Teilnahme an den Nachsorgeterminen in der Ernährungsambulanz und der gezielten Ernährungsberatung erkannt und behoben werden.

Durch dauerhaftes Überessen kann es zu einer erneuten Weitung (Dilatation) des Magenschlauches kommen. Eine bereits vor der Operation bestehende Refluxerkrankung kann sich manchmal verschlechtern.

Was muss ich nach der Schlauchmagen-Operation beachten?

Durch die Verkleinerung des Magenvolumens können Sie besonders in der ersten Zeit nach der Operation nur kleine Trinkmengen zu sich nehmen. Daher ist das Trinktraining eine erste und wichtige Übung; kohlensäurehaltige Getränke sind bis zu 6 Wochen nach der Operation zu vermeiden. Im Rahmen des stationären Aufenthaltes erhalten Sie genaue Anleitungen zur Ernährung durch unser Ernährungsambulanzteam, auch für zuhause. Sie sollten unbedingt an den Empfehlungen festhalten, um den Heilerfolg zu gewährleisten. Die tägliche Einnahme eines Multivitaminpräparates, sowie einer eiweißhaltigen Zusatznahrung, kann in der Anfangsphase sinnvoll sein.

Regelmäßige Kontrollen zur Nachsorge in unserer Ernährungsambulanz sind im ersten Jahr nach der Operation nach 6 Wochen, 3 Monaten, 6 Monaten, sowie 12 Monaten vorgesehen und dann jeweils einmal im Jahr.

Für wen eignet sich der Schlauchmagen?

Die Indikation für eine Schlauchmagen-Operation wird individuell nach eingehender interdisziplinärer Untersuchung gestellt. Seit 2010 ist es der häufigste Eingriff in Deutschland. Gemäß internationalen Standards und Leitlinien besteht formal eine Indikation ab einem Body Mass Index von 40 kg/m² und ab BMI 35 kg/ m², wenn bereits übergewichtsabhängige Nebenerkrankungen bestehen. Die entscheidenden Faktoren für die Durchführung einer solchen Operation sind: die Verbesserung der gesundheitlichen Situation, das sich dauerhaft ändernde Ess- und Ernährungsverhalten, die Einhaltung eines gesunden Lebensstils.

Kriterien der Verfahrenswahl: das Ausgangsgewicht des Patienten (BMI), der zu erwartende Gewichtsverlust (EWL), das Ess-und Ernährungsverhalten, bestehende Begleiterkrankungen, das allgemeine Operationsrisiko und die Bereitschaft zur Mitverantwortung seitens des Patienten. Auch die persönlichen Lebensumstände, sowie Beruf, Alter und Erwartungen der Patienten spielen eine Rolle.

Das Verfahren ist für die Patienten geeignet, die kein Fremdmaterial (Magenband) implantiert bekommen möchten und eine dauerhafte Lösung anstreben. Es ist eine geeignete Operation bei Hochrisikopatienten. Eine spätere Umwandlung des Schlauchmagens in einen Magenbypass kann nach erfolgter Gewichtsreduktion mit deutlich geringerem Operationsrisiko erfolgen.