Adipositas – was ist das ?

 

Von Adipositas spricht man bei einem Übergewicht, das der Gesundheit schaden kann. Adipositas ist eine chronische Krankheit, die mit eingeschränkter Lebensqualität und hohem Risiko für Folgeerkrankungen einhergeht. Betroffene leiden aber nicht nur unter den körperlichen Folgen, sondern auch unter der Diskriminierung in der Bevölkerung.

Was genau ist Adipositas? Laut der Adipositas-Definition der Deutschen Adipositas Gesellschaft handelt es sich um eine über das normale Maß hinausgehende Ansammlung von Fettgewebe im Körper. Die Ursachen für die Fettleibigkeit sind vielfältig. Grundsätzlich ist das Auftreten von Adipositas dann wahrscheinlich, wenn langfristig die Energiezufuhr den Energieverbrauch des Körpers übersteigt.

Fettleibigkeit, auch Obesitas genannt, birgt nachweislich ein enormes Risiko für die Gesundheit: Vor allem das Herz-Kreislaufsystem und der Bewegungsapparat werden durch die überzähligen Pfunde in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem erhöht Adipositas das Risiko für weitere Erkrankungen wie beispielsweise die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), das Schlafapnoe-Syndrom und oder auch für Komplikationen während einer Schwangerschaft.

Immer mehr Menschen sind fettleibig

Adipositas ist weltweit auf dem Vormarsch: Eine in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass derzeit weltweit jeder dritte Mensch übergewichtig oder fettleibig ist. Besonders viele fettleibige Menschen leben in den USA, in Mexiko, im Nahen Osten, aber auch in Europa und dort vor allem in Deutschland. Somit ist Adipositas international zu einer gesamtgesellschaftlich relevanten, gesundheitlichen Bedrohung geworden. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft geht davon aus, dass momentan rund 16 Millionen Menschen in Deutschland an Adipositas leiden.

 

Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Besonders der rasche Anstieg der Adipositas bei Kindern und Jugendlichen bereitet den Forschern große Sorgen. Rund sechs Prozent der Kinder in Deutschland sind fettleibig und etwa 15 Prozent übergewichtig. Die Gründe für Adipositas im Kindes- und Jugendalter sind vielfältig. Neben der genetischen Veranlagung spielen vor allem Bewegungsmangel und falsche Ernährung eine wesentliche Rolle. Einen besonderen Einfluss haben vor allem die Eltern, die durch ihre Erziehung oftmals einen Adipositas-fördernden Lebensstil an ihre Kinder weitergeben.

Wenn Kinder bereits vor der Pubertät an Übergewicht leiden, haben sie ein hohes Risiko, auch im Erwachsenenalter übergewichtig zu sein und somit frühzeitig verschiedenste Erkrankungen zu entwickeln. Doch nicht allein die körperlichen Folgen der Adipositas sind problematisch: Auch soziale Ausgrenzung und Mobbing im Kindesalter können den Grundstein für spätere psychische Störungen legen und die Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig beeinträchtigen.

 

Unterschiedliche Fettverteilung bei Frauen und Männern: unterschiedliches Risiko

Männer und Frauen setzen an unterschiedlichen Stellen am Körper Fett an. Bei Männern verteilt sich das Fett hauptsächlich in der Bauchregion. Dies führt zu einer Körpersilhouette, die man auch als „Apfeltyp“ bezeichnet. Bei Frauen hingegen sammelt sich das Fett vor allem an den Hüften und den Oberschenkeln an. Daher wird diese Form als „Birnentyp“ bezeichnet. Forscher gehen davon aus, dass die Fettansammlung am Bauch (Apfeltyp) größere Gesundheitsrisiken birgt, als das Fett an anderen Körperstellen.

 

Adipositas: Symptome

Adipositas beeinträchtigt zum einen zahlreiche Organsysteme und kann daher ausgeprägte körperliche Beschwerden und Folgeerkrankungen hervorrufen. Zum anderen leiden adipöse Menschen häufig unter Diskriminierung, Mobbing und Vorurteilen. Dies ist psychisch enorm belastend und kann somit auch zahlreiche psychische Störungen verursachen.

Körperliche Symptome

Je ausgeprägter das Übergewicht ist und je länger es besteht, desto größer sind in der Regel die körperlichen Beschwerden.

Eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit

Das Herz-Kreislaufsystem wird durch das Übergewicht besonders beansprucht. Bereits geringe körperliche Belastungen werden durch das Gewicht zu einem anstrengenden Unterfangen. Das liegt einerseits aus der Gewichtslast, aber auch daran, dass insgesamt mehr Gewebe durchblutet werden muss.

Die eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit macht sich in erster Linie durch Kurzatmigkeit, beziehungsweise Atemnot bemerkbar. Diese entsteht, wenn Herz und Lunge den erhöhten Sauerstoffbedarf nicht kompensieren können und somit ein Sauerstoffmangel im Blut und im Gewebe entsteht.

Da jede körperliche Aktivität aufgrund des zusätzlichen Gewichts sehr anstrengend und aufgrund der Atemnot unangenehm ist, scheuen viele Menschen mit Adipositas körperliche Anstrengung. Doch gerade der Bewegungsmangel kann eine Hauptursache für Adipositas sein. Es kann daraus ein Teufelskreis aus Bewegungsmangel und Gewichtszunahme entstehen, der das Gewicht immer weiter nach oben treibt.

Sodbrennen

Fettspeicher entstehen bei Adipositas unter anderem im Bauchraum. Dieses drückt kontinuierlich auf die Verdauungsorgane, zum Beispiel auf den Magen. Dadurch kann saurer Magensaft zurück in die Speiseröhre gedrückt werden und dort zu Sodbrennen führen.

Vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrosis)

Menschen mit einer Fettsucht schwitzen häufig übermäßig. Ein Grund dafür ist die gewichtsbedingte vermehrte körperliche Belastung, ein weiterer die schlechtere Wärmeableitung über das Fettgewebe. Vielen Menschen mit Adipositas ist das Schwitzen sehr unangenehm.

Gelenkverschleiß

Neben dem Herz-Kreislauf-System leidet vor allem der Bewegungsapparat unter der Adipositas. Durch die hohe Belastung auf die Gelenke verschleißen diese vorzeitig. Dabei wird nach und nach die feine Knorpelschicht in verschiedenen Gelenken irreparabel zerstört (Arthrose). Besonders häufig sind Knie-, Hüftgelenk und Sprunggelenk betroffen. Adipositas kann zudem zu einem vorzeitigen Verschleiß der Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern führen und somit auch eine bedeutende Ursache für einen Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) sein.

Schlafapnoe

Unter dem Schlafapnoe-Syndrom (SAS) versteht man eine Erkrankung, bei der die Betroffenen unter Atemaussetzern während des Schlafs leiden. Die häufigste Unterform dieser Erkrankung ist das sogenannte obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS), bei welcher während des Schlafs die Muskulatur der oberen Atemwege erschlafft und somit den Luftstrom der normalen Atmung behindert. Adipositas ist eine häufige Ursache des OSAS.

Menschen, die unter Schlafapnoe leiden, sind häufig aufgrund der schlechten Schlafqualität am nächsten Tag sehr müde und unkonzentriert. Auch die Psyche wird durch die mangelnde Erholung während des Schlafs in Mitleidenschaft gezogen.

Krampfadern (Varikosis)

Bei adipösen Menschen treten häufiger Krampfadern auf. Darunter versteht man eine Erweiterung der oberflächlichen Venen an den Beinen. Ausgeprägte Krampfadern bergen ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel (Thrombosen) in den Beinvenen.

Weshalb Menschen mit Adipositas vermehrt zu Krampfadern neigen, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Ursächlich ist möglicherweise das vergleichsweise schwächere Bindegewebe von adipösen Menschen. Forscher vermuten außerdem, dass die Fettzellen eine Reihe von Botenstoffen freisetzen, welche die Gefäßwände der Venen schwächen.

Gallensteine (Cholecystolithiasis)

Adipositas ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Gallensteine. Verantwortlich dafür könnte sein, dass Menschen mit Adipositas häufig auch hohe Cholesterinwerte im Blut aufweisen. Wenn das Cholesterin auskristallisiert, kommt es zur Bildung von Gallensteinen. Cholesterinsteine sind die häufigste Gallensteinart in den Industriestaaten.

Gicht (Hyperurikämie)

Mit Adipositas steigt häufig auch der Harnsäurespiegel im Blut an. Wenn die Harnsäure im Blut eine kritische Konzentrationsschwelle überschritten hat, kann sie auskristallisieren. Die Harnsäurekristalle lagern sich dann in Gelenken ab und können dort durch eine Entzündung zu großen Schmerzen führen (Gichtanfall).

Psychische Probleme

Menschen mit Adipositas werden häufig aufgrund ihres Gewichts diskriminiert. Umfragen konnten zeigen, dass zwei Drittel der Deutschen die Gründe für Adipositas in Bewegungsfaulheit und übermäßigem Essen vermuten. Die meisten Befragten gingen davon aus, dass die Fettleibigkeit selbst verschuldet sei. Mit diesen pauschalen Bewertungen werden die Betroffenen häufig im Alltag konfrontiert, was das unkontrollierte Essverhalten und den sozialen Rückzug noch verstärken kann.

Die Stigmatisierung kann Auslöser zahlreicher psychischer Erkrankungen sein: Menschen mit Adipositas leiden beispielsweise vermehrt unter Depression und Angststörungen. Besonders Kinder und Jugendliche trifft die sozialen Isolation und der Ablehnung durch Gleichaltrige. Negative prägende Erfahrungen in diesem Alter können die psychische Gesundheit der Heranwachsenden massiv stören und nachhaltige psychische Störungen verursachen.